Grunderwerbsteuer Deutschland: Warum Eigentum so schwer wird und was sich jetzt ändern könnte
- annaadirim
- 10. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Grunderwerbsteuer Deutschland: Warum Eigentum so schwer wird?
Der Grunderwerbsteuer in Deutschland gehört zu dem größten Hürden beim Immobilienkauf. Viele Käufer scheitern heute nicht an der Finanzierung, sondern am
Eigenkapital für die Nebenkosten.
Ich bin in Polen aufgewachsen.Wenn ich an meine Kindheit denke , fällt mir etwas auf: Kaum jemand hat zu Miete gewohnt. Fast alle hatten eine Eigentumswohnung oder ein Haus.
In Deutschland ist das anders. Und das liegt nicht daran, dass die Menschen hier kein Eigenheim wollen. Es liegt daran, dass der Weg dorthin mit Hindernissen gepflastert ist und eines der größten ist die Grunderwerbsteuer.
Die Senkung der Grunderwerbsteuer wird derzeit gefordert von einem breiten Bündnis aus Experten, Verbänden und der Wirtschaft laut gefordert. Als Immobilienmaklerin in Düsseldorf sage ich: Diese Diskussion ist überfällig.
Grunderwerbsteuer senken in Deutschland: Was gerade diskutiert wird
Am 12. März 2026 forderte ein breites Bündnis aus 19 Verbänden darunter Eigentümerverbände, Verbraucherschutzorganisationen , Bauverbände sowie die Finanzwirtschaft eine grundlegende Reform der Grunderwerbsteuer.
Die Kernforderung: Für Ersterwerber von selbst genutztem Wohneigentum soll die Steuer vollständig wegfallen oder deutlich gesenkt werden.
Das Bündnis erklärt klar: Die Grunderwerbsteuer versperrt jungen Menschen den Weg in die eigenen vier Wände. Wer heute kaufen möchte, scheitert nicht an der monatlichen Rate sondern am Eigenkapital.
Die Zahlen: Warum das kein kleines Problem ist
Die Grunderwerbsteuer in NRW beträgt 6,5 Prozent des Kaufpreises – einer der höchsten Sätze in Deutschland.
Bei einer Immobilie für 350.000 Euro bedeutet das: 22.750 Euro Grunderwerbsteuer allein. Dazu kommen Notar, Grundbuch und mögliche Maklercourtage.
In NRW summieren sich die Nebenkosten schnell auf 10 bis 15 Prozent diese müssen vorab aus Eigenkapital bezahlt werden, da Banken sie in der Regel nicht mitfinanzieren.
Vor 15 Jahren zahlte man bei einem durchschnittlichen Eigenheim von 175.000 Euro noch etwa 6.000 Euro Grunderwerbsteuer. Heute, bei einem Durchschnittswert von rund 370.000 Euro, sind es laut Verbändebündnis zwischen 18.500 und 24.050 Euro.
Die Immobilienpreise haben sich verdoppelt die Steuer damit auch.
Deutschland: Schlusslicht bei Eigentum in der EU
Laut aktuellen Eurostat-Daten (Stand 2024) wohnen in Deutschland nur 47 Prozent der Haushalte im Eigentum. Der niedrige Eigentumsquote in Deutschland ist kein Zufall.
Das ist der niedrigste Wert in der gesamten Europäischen Union. Der EU-Durchschnitt liegt bei rund 68 Prozent.
Zum Vergleich: In Rumänien wohnen 94 Prozent der Menschen im Eigentum, in der Slowakei 93 Prozent, in Ungarn und Kroatien über 90 Prozent, in Polen über 80 Prozent. Auch Frankreich und Schweden liegen mit über 60 Prozent deutlich vor Deutschland.
Laut einer Studie der Deutschen Bundesbank ist die hohe Grunderwerbsteuer einer der zentralen Gründe für diese niedrige Eigentumsquote. Zusammen mit dem starken Mietrecht und dem fehlenden Steuerabzug für Hypothekenzinsen schafft die deutsche Wohnungspolitik Anreize für das Mieten – nicht für das Kaufen.
Was das für Vermögens und Altersvorsorge bedeutet
Wohneigentum ist in Deutschland wie überall in Europa der wichtigste Baustein für den privaten Vermögensaufbau und die Altersvorsorge.
Wer zur Miete wohnt, zahlt sein Leben lang für etwas, das ihm nie gehört. Wer kauft, baut Vermögen auf. In Deutschland wird dieser Vermögensaufbau jedoch durch Kaufnebenkosten und die Grunderwerbsteuer erschwert.
Eine Studie der Deutschen Bundesbank zeigt den direkten Zusammenhang: Länder mit höheren Eigentumsquoten haben eine gleichmäßigere Vermögensverteilung. In Deutschland wächst die Kluft zwischen Eigentümern und Mietern.
Das IW Köln warnt: Wohneigentum bleibt zunehmend älteren und wohlhabenderen Haushalten vorbehalten.
Das Potenzial junger Käufer ist laut dem Verband in den letzten zehn Jahren von 360.000 auf 216.000 Haushalte pro Jahr gesunken. Junge Miethaushalte verfügen im Median über nur rund 9.000 Euro Geldvermögen viel zu wenig für die Transaktionskosten.
Was konkret gefordert wird
Das Verbändebündnis fordert zwei zentrale Reformen:
• Grunderwerbsteuer für Ersterwerber abschaffen oder stark senken bis zu einer bestimmten Wertgrenze, die länderspezifisch ausgestaltet werden kann
• Eine Anrechnungsregel einführen: Wer eine Immobilie verkauft und eine neue kauft, soll die bereits gezahlte Grunderwerbsteuer anrechnen können ähnlich wie in anderen europäischen Ländern
Eine Halbierung der Grunderwerbsteuer würde laut einer Studie des IW Köln die Zahl der Baugenehmigungen um neun Prozent steigern und die Mindereinnahmen der Länder mehr als kompensieren, weil weniger sozialer Wohnungsbau nötig wäre.
Wann kommt die Reform? Eine Ehrliche Einschätzung
Noch liegt kein konkreter Gesetzentwurf vor. Ein bundesweiter Freibetrag ist kurzfristig also für 2026 oder 2027 eher unwahrscheinlich.
Wahrscheinlicher sind individuelle Länderlösungen. Thüringen hat als einziges Bundesland bisher seinen Satz gesenkt von 6,5 auf 5,0 Prozent.
Für Käufer in NRW gilt: Nicht auf eine Reform warten. Die Preise steigen möglicherweise schneller als die Ersparnis. Wer kaufen möchte, sollte jetzt planen und die Nebenkosten von Anfang an realistisch einkalkulieren.
Meine Einschätzung als Maklerin
Als jemand, der aus einem Land kommt, in dem Eigentum selbstverständlich ist, sehe ich täglich, wie viele Menschen in Deutschland den Traum vom eigenen Zuhause aufgeben nicht weil sie nicht wollen, sondern weil die Hürde zu hoch ist.
Die Grunderwerbsteuer ist ein politisch gemachtes Hindernis. Und politische Hindernisse können geändert werden.
Bis es soweit ist: Ich helfe Ihnen, den Weg ins Eigentum so günstig und sicher wie möglich zu gestalten.
Sie planen den Kauf einer Immobilie in Düsseldorf oder NRW? Ich berate Sie kostenlos und ehrlich inklusive realistischer Nebenkostenplanung.

Kontaktieren Sie mich: info@forma-immobilien.com





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